Das Freundeskreisseminar vom 27.-29.4.2018 in Goslar

Wer sind die Freundeskreise? Was leisten sie? Wen sprechen sie an? Wie ist ihr Leitbild?
Freundeskreisseminar des Landesverbands

Dieses Freundeskreisseminar fand vom 27. - 29. April 2018 im Haus am Steinberg in Goslar statt. Teilgenommen haben 17 Personen, alles Interessierte am Thema. Als Referenten konnten Elisabeth Stege und Erich Ernstberger, stellv. Vorsitzende des Bundesverbands sowie Uwe Rothämel gewonnen werden. Uwe Rothämel ist Freundeskreisler in Bayern, hat aber auch eine therapeutische Ausbildung.

Die Anreise war trotz des von mir erwarteten Verkehrschaos wegen des verlängerten Walpurgisnachtwochenendes im Harz erstaunlich entspannt. Die freundschaftliche Begrüßung durch den Vorsitzenden des Landesverbands, Wilhelm Märtz, rundete das Ganze noch ab.

Nach der allgemeinen Vorstellungsrunde wurden unsere Wünsche und Anregungen für das Wochenende gesammelt.

Am Samstag ging es dann mit einer Befindlichkeitsrunde - in der jeder seine Anspannung von 1-10 benannte - los. Wir stellten fest, dass alle gut drauf waren und sich auf das Thema freuten. Wie funktioniert eine Selbsthilfegruppe? Was bewirkt sie? Welches Leitbild haben die Freundeskreise? Wie haben sich die Freundeskreise entwickelt? – darüber wurde ausführlich – zum Teil unter Einbeziehung der Broschüren „Wer? Wie? Was?“, „Leitbild der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe?“ und „Manual für die Gruppenbegleitung“ – alles Broschüren, die der Bundesverband herausgegeben hat – erläutert und diskutiert, wie wir dies in unserer praktischen Gruppenarbeit umsetzen können. Die Essenz dabei ist: „Unsere Gemeinschaft ist nicht von oben nach unten befehligt, sondern die Menschen in den Gruppen und unsere Mitglieder tragen Aufgaben und Wünsche an den Vorstand des Bundesverbands heran.“ Dieser nimmt sie auf und gemeinsam wird daran gearbeitet.

Wichtig war mir auch, dass wir konkrete Anregungen für die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe erhielten, z.B. die Menschen sind freiwillig zusammen, für jeden Einzelnen ist Raum und Zeit und die Erfahrungen der anderen machen Mut und können einen Umdenkungsprozess in Gang setzen. Über Inhalte des Gruppengesprächs gehen keine Informationen nach außen.

Aber es ging auch um die Rollenverteilung und die Aufgaben der einzelnen Gruppenmitglieder. Alle Gruppenmitglieder in einer Gruppe sind nämlich verantwortlich für das Gelingen der Gruppe, nicht allein die Gruppenbegleitung.

Am Sonntag haben wir uns dann damit befasst, wie man einen Freundeskreis gründen kann und wie man die 9 Punkte unseres Leitbilds in dienGruppenarbeit einbringen kann. Was bedeutet zum Beispiel „Suchtkranke und Angehörige gleichermaßen“ und wie lässt sich die Familie einbeziehen. Wir haben auch festgestellt, dass gewisse Voraussetzungen für die Gruppenbegleitung sinnvoll sind, wie z.B. eine zweijährige Abstinenz vom abhängig machenden Suchtmittel, die regelmäßige Teilnahme an der Gruppe und die Bereitschaft, an den Aus- und Fortbildungsangeboten des Landesverbands oder des Bundesverbands teilzunehmen. Besonders wichtig ist auch, dass wir eine Bereitschaft haben, Konflikte durch offene Gespräche miteinander aufzuarbeiten und zu lösen. Aber, wenn alle Gespräche nichts nützen und ein Konflikt sich nicht lösen lässt, müssen wir uns auch abgrenzen und vielleicht auch jemanden aus der Gruppe verweisen, wenn er oder sie beispielsweise das Leitbild nicht akzeptiert oder andere beleidigt.

Schließlich sprachen wir noch über die Wichtigkeit der Vernetzung. Die Freundeskreis-Gruppe ist in den Landes- und den Bundesverband eingebunden. Aber es gibt auch vor Ort Beratungsstellen und Fachkliniken, wo wir uns bekannt machen und mit denen wir zusammenarbeiten sollten. Ebenfalls gilt es, die Kontakte zu den anderen Selbsthilfegruppen und zu den Krankenkassen zu pflegen.

Mein Fazit: Es war ein spannendes Wochenende, auch wenn wir keine fliegenden Hexen zu Gesicht bekommen haben. Wir haben viel erfahren über die Freundeskreise, und es hat uns Freude gemacht, gemeinsam zu diskutieren und zu Ergebnissen kommen.

Henning Theivagt