Klausurtagung 2018 in Potshausen

Liebe Leser, liebe Freunde,

diesmal hat es mich erwischt, der nicht „NEIN“ sagen konnte, als die Bitte aufkam, einen Bericht über unser gemeinsames Wochenende zu schreiben. Dank einer durch viel Verkehr und Stau geprägten Rückfahrt, hatte ich Zeit mich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Viel Fragen gingen durch meine Kopf: Was war wichtig für mich? Wie war die Resonanz der anderen Teilnehmer? Was und wer soll mit diesen Bericht erreicht werden. Liebe Frauen, ich hoffe auf Euer Verständnis. Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich bei diesem Text die männliche Form verwendet.

Fang ich erstmal mit dem Titel von unserem Treffen an:

Klausurtagung Landesverband

Klausur? Werden die Teilnehmer eingeschlossen, vielleicht in einem Kloster bzw. müssen wir in einem abgeschlossen Raum Prüfungen ablegen? Oder geht des dort wie in Parteien um Posten und Ämter.

Nein, nichts von dem, die Klausurtagung ist ein Treffen und Austausch für interessierte Freundeskreismitglieder, jeder kann seine Themen und Wünsche zur Sprache bringen. Die Teilnehmer spiegeln die Gesamtheit und sowie die Verschiedenheit in unseren Landesverband wieder, ob langjährig Aktive oder auch ganz Neue, ob Angehörige oder Suchtkranke, ob jung oder alt, ob aus den hohen Norden oder wie ich aus dem südlichsten Zipfel Niedersachsens, egal welches Suchtmittel, alles war vertreten.

Ca. 50 Teilnehmer haben den Weg zur Klausurtagung, die im Evangelischen Bildungszentrum Ostfriesland in Potshausen stattfand, gefunden. Anreise Tag war der Freitagnachmittag, nach Zimmerverteilung und Abendessen und etwas Organisatorischen begann die Vorstellungsrunde, wo wie oben geschrieben die Themen und Wünsche gesammelt wurden. Zusammen waren es 23 Punkte. Die dann später in 6 Schwerpunkte/ Gruppen zusammengefasst wurden.

Zur Überraschung vieler wurden die Abende mit Musikeinlagen von Alfred Behlau abgerundet. Wer mehr über Alfred und sein Wirken wissen will siehe Internet: Alfred Behlau

Am Samstag wurde nach dem Frühstück mit der Kleingruppen Arbeit begonnen. Das besondere an der Klausurtagung ist, das jeder für sich wählen kann welches Thema für ihn richtig und wichtig ist. Auch ist ein Wechseln der Gruppen möglich und wurde auch von vielen Teilnehmern genutzt.

Für mich sind diese Treffen immer ein Erlebnis, das ich jedem wünsche. Da aber jeder seine eigenen Gefühle, Erfahrungen und Gedanken hat, wie er dieses Treffen empfindet, habe ich ein paar Zitate aus der Abschlussrunde zusammengefasst:

  • Neue Perspektiven gewonnen
  • Der Umgang miteinander ist bemerkenswert
  • Wir haben schön gesungen
  • Es war das erste Mal das ich hier bin, fühlte mich gleich zuhause/ angekommen bei euch
  • An seine Grenzen angekommen
  • Auf dem richtigen Weg
  • Es war spannend
  • Wenn es die Gesundheit zulässt, bin ich das nächste Mal wieder dabei
  • Loswerden und mitnehmen
  • Es war eine Bereicherung
  • Tolle Gemeinschaft
  • Zimmer waren gut, wie ein Kurzurlaub.
  • Die Verarbeitung der Eindrücke kommen erst im Laufe der Zeit
  • Tolle Gefühle
  • Die Gespräche waren nicht trocken, es wurde viel gelacht.
  • Ich würde gerne noch ein paar Tage diese Gemeinschaft genießen, aber die Platte ist voll
  • Ich bin dankbar, dass ich hier sein darf
  • Die Menschlichkeit hat mich beeindruckt, bin an meine Grenzen gekommen, viel Input
  • Offenheit, Umgangston, tolle Gefühle, einfach schön
  • Erst nervös, jetzt beglückt
  • Bitte meinen Besuch für nächstes Jahr reservieren

Etwas, was ich für mich mitnehme ist: Die Mühe der langen Anreise hat sich gelohnt, obwohl ich bei diesem schönen Wetter so viele andere Sachen zuhause erledigen hätte können und ich eigentlich keine Zeit für weitere Freundeskreis Termine habe. Es ist eine Bestätigung für mich, mich weiterhin im Freundeskreis einzubringen beziehungsweise in der Suchtkrankenselbsthilfe aktiv zu sein. Bei diesem Treffen wurde Selbsthilfe wie ich sie mir vorstelle, gelebt, es war ein wertschätzendes Klima verbunden mit Offenheit und Ehrlichkeit. Ich kann bei Problemen und offen Fragen aus den Erfahrungen der anderen lernen und sehen was ist für mich die Lösung sein kann. Ich konnte wieder viel mitnehmen, für mich, für meine Gruppe und für meinen Verein. Natürlich hoffe ich, dass ich den einen oder auch anderen eine Hilfe war.

Auf der anderen Seite sehe ich, nur durch solche Treffen sowie auch Besuche von Seminaren bleibt man am Ball, man kann auf Veränderungen reagieren und Einfluss nehmen. Wir müssen offen und interessiert bleiben, wenn jemand denkt diese 23 Punkte, die bei diesem Treffen gesammelt worden sind, „kenne ich schon“, „habe ich schon hundertfach durchgekaut“, der irrt sich. Diese Themen sind immer aktuell und präsent, genau wie unsere Süchte.

Ich möchte noch meinen Dank an alle richten, die an diesen Treffen beteiligt waren, egal ob als Organisatoren, Musikmachende, Essenkochende, Fahrer zur Eisdiele, Geschichtenerzählern und Witzemacher oder als gute Gesprächspartner oder  stille Ideengeber.

Euch allen Danke und bis zum nächsten Mal.

Jürgen Fischer, FK Göttingen, Gruppe U40

PS: So schlimm war es nun auch nicht, diesen Bericht zuschreiben.