Freundeskreis will niederschwellige Informationsmöglichkeit schaffen

Bericht und Foto von Heiner Bange

Meppen. Der Neujahrsempfang ist für den Freundeskreis Emsland immer wieder eine gute Gelegenheit, auf sein ehrenamtliches Engagement in der Suchtkrankenhilfe aufmerksam zu machen.

Auch dieses Mal waren der Einladung zahlreiche Mitglieder und Gäste gefolgt, um an der Veranstaltung in der Kantine des Landkreises teilzunehmen.

Geschäftsführer Alfred Hinrichs hieß in seiner Begrüßung unter anderem einige Vertreter von Kooperationspartnern willkommen, mit denen der Freundeskreis übers Jahr hinweg eine besonders enge Zusammenarbeit pflegt. Dazu gehörten Sigrid Kraujuttis als Sozialdezernentin des Landkreis, Jochen Hilckmann (stellvertretender Bürgermeister der Stadt Meppen), Dorothea Währisch-Purz (Geschäftsführerin Diakonisches Werk Meppen), Marion Feldmann (Leiterin ambulante Suchtberatung Caritas) Heike Lindenborn (Fachbereichsleiterin Gesundheit und Selbsthilfe der Ländlichen Erwachsenenbildung), Werner Rickermann (Verein Praxis, Twist) sowie als Vertreter der Kirchen Pastor Ralf Krüger und Diakon Anton Reinert.

Dank an Ehrenamtliche

Für Hinrichs war es ein besonderes Anliegen, sich zunächst bei den vielen ehrenamtlich Tätigen des Vereins zu bedanken, die sich zum Teil schon über viele Jahre unermüdlich in der Selbsthilfe und damit am Nächsten engagieren. „Wer die Selbsthilfe erlebt oder erlebt hat, der weiß, was es bedeutet, in schwierigen Lebenslagen Hilfe zu bekommen und ebenfalls, in solchen Situationen hiervon zurückgeben zu dürfen“, betonte der Geschäftsführer. Umso mehr ist nach den Worten von Hinrichs zu bedauern, dass zunehmend jüngere suchtkranke Menschen nicht mehr den Weg in die Selbsthilfegruppen suchen. Dies betreffe vor allem Betroffene in den Bereichen „Illegale Drogen“ und „Pathologisches Glücksspiel“. Die vom Freundeskreis unterbreiteten Angeboten seien bislang kaum angenommen worden.

Neue Ideen entwickeln

Trotz rückläufigen Interesses wollen die Freundeskreise nicht nachlassen in ihrem Bemühen, neue Ideen zu entwickeln sowie ihre Angebote zu erweitern und anzupassen. In diesem Jahr habe man sich daher den von Friedrich Schiller geprägten Leitsatz gegeben: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Hinrichs verschwieg auch nicht, dass die Auseinandersetzung mit neuen Herausforderungen schon jetzt zu kontrovers geführten Diskussionen in den Gruppen und Verbänden führe. „Aber diese Tatsache verdeutlicht doch, dass bei uns noch Leben herrscht und wir uns dem notwendigen Anpassungsprozess stellen,“ betonte der Geschäftsführer, um auf diese Weise allen Mitgliedern Mut für die Zukunft zu machen.

Koordinierungsstelle für Selbsthilfe

Gemeinsam mit der Koordinierungsstelle für Selbsthilfe (Kobs) will der Freundeskreis in diesem Jahr eine niederschwellige Informationsmöglichkeit entwickeln, ein quasi „After-Work“- Angebot an einem zentralen Standort in Meppen. Daneben ist laut Herrn Hinrichs mit der Entgiftungsstation in Haselünne ein Pilotprojekt geplant, das eine Vernetzung der Selbsthilfe gemeinsam mit dem Kreuzbund vorsieht. Und auch in der Fachklinik Hase Ems in Haselünne soll das Angebot des Freundeskreises als Selbsthilfeeinrichtung präsentiert werden.

Wertschätzung

In den Grußworten wurde die Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit des Freundeskreises durch die Gäste wiederholt zum Ausdruck gebracht. So konnte Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis zur Beantwortung der Frage, warum sich die Menschen im Landkreis Emsland so wohl fühlen, das Ergebnis einer bundesweiten Studie anführen. Danach sei ein wesentlicher Faktor die Tatsache, dass hier Kirchen, Verbände und Vereine gut und gerne zusammenarbeiten und dabei auf das ehrenamtliche Engagement der Menschen setzen können. Nun komme es darauf an, so Kraujuttis, diese Kultur des Miteinanders auch in die nächste Generation hineinzutragen. Die Sozialdezernentin betonte, dass der Landkreis Emsland die Arbeit des Freundeskreises seit vielen Jahren unterstütze und man mit dieser Förderung auch künftig rechnen könne.

24-Stunden-Bereitschaft

Auch der stellvertretende Bürgermeister Jochen Hilckmann würdigte die Arbeit des Freundeskreises, deren Mitglieder in einer 24-Stunden-Bereitschaft Betroffenen und Angehörigen in deren schwersten Lebenskrisen zur Seite stehen und ihnen helfen, wieder Mut zu fassen. Dieser unermüdliche Einsatz verdient nach den Worten von Hilckmann größte Anerkennung.

Für Diakon Anton Reinert als Vertreter der katholischen Kirchengemeinden wird das „Saufen im Alter“ zunehmend eine Herausforderung für die Suchtkrankenhilfe. Es gelte, kritisch hinzusehen und nicht zu schweigen, wenn zum Beispiel in den Seniorenheimen ein verstärkter Alkoholmissbrauch festgestellt werde. Im Namen der hauptamtlichen Suchtkrankenhilfe bedankten sich Doris Währisch-Purz (Diakonisches Werk) und Marion Feldmann (Caritas) für das gute Miteinander mit dem Freundeskreis und das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder. Der am weitesten angereiste Gast war Heike Lindenborn aus Hasbergen, die für die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) den Bereich Gesundheit und Selbsthilfe verantwortet und in diesem Bereich mit den Freundeskreisen auf Landesebene eng zusammenarbeitet.

Meppener Tagespost 16.01.2018