Der vereinte Weg zum kalten Wäscheboden, Raumnot in Corona Zeiten

Corona hat uns gezeigt, was wirklich wichtig im Leben ist: Menschen treffen zu können, die uns lieb geworden sind, Gesundheit, freies Leben. Gerade wenn es eine Problematik mit Sucht gibt, ist es gut, einen Austausch mit der Selbsthilfegruppe zu haben. Nur leider ist das in den Hintergrund geraten.

Unsere Gruppe „Vereinte Wege“ musste wegen Corona den Gruppenraum verlassen, da dieser zu klein war und wir die Corona-Regeln nicht einhalten konnten. Richtig war die Entscheidung von der Gemeinde, aber was nun. So haben wir uns auf den Weg gemacht, andere Möglichkeiten zu finden, wie wir uns weiterhin sehen könnten. Angefangen hat es dann damit, wie in vielen anderen Gruppen auch, uns über Videokonferenz zu treffen. Für uns nicht wirklich erfüllend, aber besser als nichts. Da das Netz in der ersten Zeit vollkommen überlastet war, stürzten die PCs immer wieder ab oder man sah und hörte einige Teilnehmer verzerrt oder erst gar nicht. Als dann alles soweit lief, durften wir uns nach längerer Zeit in Präsenz wiedersehen, die Frage war aber wo. Der Gruppenraum war weg und andere Räume gab es nicht. Letztendlich haben wir uns dann bei einem Gruppenmitglied auf dem Dachboden einquartiert, um uns endlich mal wieder in Präsenz treffen zu können. Das war mit viel Abstand und geöffnetem Fenster sehr gut für die Gruppenmitglieder. Nur dann kam die kalte Jahreszeit und ich muss euch sagen, es war kalt, richtig kalt, so dass Decken und heißer Tee helfen sollten. Das war am Anfang auch ganz gut, aber wie ihr euch vorstellen könnt, war das keine Dauerlösung, da die Temperaturen immer niedriger wurden und wir letztendlich den Dachboden wegen der zunehmenden Kälte verlassen haben.

Dank Corona und des nächsten Lockdowns durften wir uns wieder nicht sehen und somit konnten wir der Kälte weiterhin aus dem Wege gehen. Nur was macht die Tatsache, dass man sich lange nicht sehen kann, mit einer Gruppe? Wir haben uns im ersten Lockdown meiner Meinung nach entfernt voneinander und das machte der zweite Lockdown nicht besser.

Nach vielen Telefonaten und immer neuen Absagen oder zu teuren Räumen hat ein anderes Vereinsmitglied uns unterstützend zur Seite gestanden mit neuen Ideen, wo angerufen werden kann, um einen Raum zu bekommen. Dann kam der erlösende Anruf mit einer neuen Idee, wo möglicherweise ein Raum sein könnte. Die Gemeinde musste noch absprechen, ob der Raum tatsächlich frei ist am Donnerstag. Zwei Wochen später kam dann die Zusage, wir hatten endlich nach langem Suchen und fast anderthalb Jahren ohne Gruppenraum einen neuen Gruppenraum. In diesem Gruppenraum haben jetzt 12 Gruppenmitglieder Platz, so dass auch die Aufnahme neuer Gruppenmitglieder kein Problem mehr dargestellt hat.

Ich muss euch sagen, für mich persönlich ist das eine große Bereicherung in einen Raum zu gehen, der eine Heizung hat, die Möglichkeit Tee zu kochen, eine Toilette in der Nähe und dort die Menschen, die man gerne hat, wieder zu sehen.

Gestartet haben wir in diesem Raum mit zwei neuen Mitgliedern, die hoffentlich unsere Gruppe lange besuchen werden, um ihren Weg mit der Problematik, die sie haben, gehen zu können.

Gruppe „Vereinte Wege“ FK Göttingen

Cerstin Kottwitz